Wappen von Veytaux
Château de Chillon / Veytaux - Kanton Waadt (Vaud)
Historie


Die längliche Insel von Chillon erhebt sich genau dort aus dem Genfersee, wo der Steilabhang der Rochers de Naye bis nahezu ans Ufer reicht und nur einen schamalen Durchgang für den Verkehr frei lässt. Bereits in römischer Zeit wurde dieser für eine Befestigung nahezu ideale Platz genutzt, wie verschiedene Funde zeigen. Möglicherweise gehörte Chillon damals zusammen mit Genf und Chancy zu einer zweiten Verteidigungslinie hinter dem Rhein-Limes.

Über die Anfänge der mittelalterlichen Burganlage herrscht Unklarheit. Die ältere Forschung hat die frühesten Fundamente in karolingische Zeit zu datieren versucht, doch kommen als Erbauer eher die Könige von Hochburgund aus der Dynastie der Rudolfinger (888 bis 1032) in Frage. Von den heute sichtbaren Teilen der Festung reichen die ältesten ins 11. Jhdt. zurück, darunter vor allem die Grundmauern des mächtigen Donjons.

Es ist durchaus möglich, dass Chillon an den Bischof von Sion überging, als diesem von König Rudolf III. von Hochburgund 999 die Grafschaftsrechte im Wallis übertragen wurden. Als Erbauer der ersten steinernen Anlage kommt daher der Bischof in Frage. Als seine Dienstleute sassen damals vermutlich die Herren von Alinges auf der Burg. Spätestens in der zweiten Hälfte des 11. Jhdt. griffen die aufstrebenden Grafen von Savoyen nach dem strategisch wichtigen Platz. Sie hatten nach dem Tod von Rudolf III. zu den wenigen burgundischen Adligen gehört, welche die Erbansprüche des deutschen Kaisers Konrad II. unterstützten und ihm im Krieg gegen Thronanwärter Odo von der Champagne zur Seite standen. Dies ermöglichte ihnen nach dem Sieg des Kaisers eine grosse Machtentfaltung im burgundischen Raum.

Bei der ersten schriftlichen Erwähnung der Burg im Jahr 1150 befand sie sich bereits im Besitz der Savoyer. In dieser Zeit wurde das Areal der Anlage nahezu verdreifacht, indem man landseitig eine neue Mauer errichtete und die Burg so über die ganze Insel ausdehnte. Ausserdem entstand mit dem Alinge-Turm, auch "camera domini" genannt, ein stattlicher Wohntrakt mit angrenzender Kapelle. Als sich um 1200 der Einfluss der Herzöge von Zähringen als Rektoren über Burgund bis an den Genfersee auszudehnen drohte, lehnte sich Graf Thomas I. von Savoyen zusammen mit anderen waadtländischen Adligen dagegen auf. Die Truppen von Herzog Berchtold V. stiessen 1207 bis nach Chillon vor und belagerten die Burg. Nach einer Niederlage gegen die Savoyer mussten sie sich aber ein für allemal aus dem Genferseegebiet zurückziehen.

Die vier Söhen von Thomas I. bauten Chillon in den folgenden Jahrzehnten zur prachtvollen Fürstenresidenz aus. Vor allem Graf Peter II., der die Zeit des Interregnums geschickt zur Mehrung seiner Macht nutzte, liess die Burg durch seinen Architekten Peter Meinier ausbauen. Es entstanden neue Wohntrakte auf der Südseite mit darunterliegenden Gewölben, die als Gefängnis dienten. Die landseitige Mauer wurde zudem mit drei mächtigen Schalentürmen bewehrt. Peter II.war mit dem englischen König verschwägert und pflegte enge Verbindungen zum Hof in London. In Chillon entfaltete sich damals nach englischem Vorbild eine prachtvolle ritterliche Hofkultur.

Zu Beginn des 15. Jhdt. bekamen die Savoyer durch König Sigismund den Rang eines Herzogs zugesprochen. Ihre alte Residenz am Genfersee spielte für sie damals aber keine wichtige Rolle mehr, Chillon wurde durch einen Kastellan verwaltet. Die erhaltenen Baurechnungen aus jener Zeit zeigen hingegen, dass der Unterhalt der exponierten Burg die Savoyer dennoch grosse Summen kostete. Auf eine Anpassung der Befestigungsanlagen an die moderne Waffentechnik wurde jedoch verzichtet. Als sich in den Burgunderkriegen die Savoyer 1475 gegen die benachbarten Eidgenossen auf die Seite von Herzog Karl dem Kühnen stellten, kamen Berner Truppen der Burg bereits einmal gefährlich nahe. 1532 kerkerten die Savoyer François Bonivard, Prior von St. Viktor zu Genf, in Chillon ein, weil er seine eigenössische Gesinnung offenbart hatte. Er wurde befreit, als Bern 1536 in einem raschen Feldzug das gesamte Waadtland und alle savoyischen Burgen in diesem Gebiet besetzte. Chillon war ihnen dabei kampflos in die Hände gefallen, nachdem der Kastellan auf dem Seeweg geflohen war.

Die Burg wurde nun Sitz eines Landvogts, doch liess man ihre bauliche Erscheinung nahezu unverändert. Als der Unterhalt immer teurer wurde, verlegte man den Vogteisitz 1733 nach Vevey, Chillon wurde vorübergehend als Invalidenspital genutzt. Nach der Zeit der französischen Besetzung richtete der Kanton Waadt in der Burg ein Artilleriedepot ein, doch war die Anlage damals schon in einem sehr schlechten Zustand. Ein privater Verein begann 1887 mit der Restaurierung der Burg, wobei auch der inzwischen verlandete Wassergraben zwischen Insel und Seeufer wieder ausgehoben wurde. Die Instandstellungsarbeiten werden seither fortlaufend weitergeführt.

(QUELLEN: CHAPUISAT, Jean-Pierre. Schloss Chillon [Schweizerische Kunstführer, Serie 12, Nr. 113]. Neuausgabe. Bern 1989. / MEYER, Werner (Red.). Burgen der Schweiz, Bd. 4: Kantone Genf, Waadt, Wallis. Zürich 1981. S. 25-27. / MEYER, Werner/WIDMER, Eduard. Das grosse Burgenbuch der Schweiz. Zürich 1977. S.154-157.)


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