Wappen von Montreux
Château du Châtelard / Montreux - Kanton Waadt (Vaud)
Historie

 

Seit der Spätzeit des rudolfingischen Königreichs Hochburgund gehörte die Gegend von Montreux dem Bischof von Sion. Nach den Auseinandersetzungen des Interregnums veräusserte das verschuldete Bistum seine hiesigen Rechte an Girard d'Oron. Nächste Besitzer der Herrschaft waren die Herren von La Sarraz. François I. de La Sarraz musste sich 1352 in einem Vertrag mit Graf Amadeus VI. von Savoyen dazu verpflichten, in der Herrschaft Montreux eine Burg zu errichten, die der hiesigen Bevölkerung in Kriegszeiten eine Zuflucht bieten sollte. Diese Verpflichtung wurde vorerst aber nicht erfüllt. Erst als Ritter Jean de Gingins durch Heirat mit Marguerite de La Sarraz in den Besitz der Herrschaft gekommen war, setzte er die Pläne in die Tat um. In nur zwei Jahren, von 1440 bis 1442, soll die Burg von Châtelard errichtet worden sein. Als Zentrum der Anlage wurde ein grosser, zinnenbewehrter Donjon erstellt, der mit weitläufigen, mit weiteren Türmen verstärkten Wehranlagen umgeben wurde.

Während der Burgunderkriege stellte sich Pierre de Gingins auf die Seite Savoyens, das mit dem Burgunderherzog Karl dem Kühnen gegen die Eidgenossen kämpfte. Von Châtelard aus kämpfte Pierre gegen die aufständischen Walliser. 1476 zogen dann aber Truppen aus der Grafschaft Greyerz, verstärkt durch Aufständische aus der näheren Region plündernd nach Montreux und eroberten die Burg. Châtelard wurde ausgeräumt und zerstört. Pierre de Gingins starb wenig später beim vergeblichen Versuch, die Burg von La Tour-de-Peilz gegen die Berner zu verteidigen.

Erst 1490 wurde die zerstörte Burg ihren Besitzern zurückgegeben. Um 1500 liess François de Gingins den Donjon wieder herrichten. Unter der Oberherrschaft Berns folgten nun etliche Besitzerwechsel. Ab 1549 gehörte Châtelard der Familie de Challant, ab 1571 der Stadt Vevey, ab 1573 der Familie d'Anglure, 1582 Antoine d'Allingre und 1585 Jean Babtiste Rotta. 1596 befand sich die Burg im Besitz der Herren von Blonay, bevor sie im 17. Jhdt. durch Heirat an die Familie von Tavel gelangte.
Ab 1708 hatten die Bondeli auf Châtelard das Sagen. Diese Familie orientierte sich nach Bern und machte sich unter der Bevölkerung entsprechend unbeliebt. Die Gemeinden der Herrschaft Châtelard zahlten ihnen 1795 schliesslich 116'408 Franken, um die verbliebenen Feudalrechte abzulösen. Nur drei Jahre später brach das alte Herrschaftssystem beim Einmarsch der französischen Armee endgültig zusammen.

Nach dem Umsturz von 1798 folgten nacheinander die Familien Dubochet des Planches und Marquis als Burgbesitzer. 1983 erwarb schliesslich die Familie Fornerod de Mons d'Avanches das Château. Die Anlage, die heute als Business-, Kultur- und Tagungszentrum vermarktet wird, wurde über die Jahrhunderte stark verändert. Ausser dem mächtigen Donjon und der Toranlage ist von der grossen spätmittelalterlichen Burg kaum noch etwas erhalten geblieben.

QUELLEN: HAUSWIRTH, Fritz. Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 12: Waadt, Wallis, Genf. Kreuzlingen 1976. S. 36-38. / BOURGEOIS, Victor. Die Burgen und Schlösser des Kantons Waadt, I. Teil. Basel 1935. S. 56-59 / BERGER, Ric. Burgen und Schlösser in der Schweiz, Bd. II. Neuenburg 1966. S. 39.

 

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