STADTBEFESTIGUNG BREMGARTEN
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Quelle: Institut für Denkmalpflege der ETH Zürich (Hg.) - Stadt- und Landmauern, Bd. 2: Stadtmauern in der Schweiz | Kataloge, Darstellungen | Zürich, 1996 | S. 17
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Allgemeine Informationen
Aus den Dörfern Bremgarten und Villingen entstandene Siedlung, die um 1240 von den Grafen von Habsburg das Stadtrecht verliehen bekam. Von der in drei Phasen entstandenen Befestigung sind noch vier Türme, das Bollhaus an der alten Reussbrücke und längere Abschnitte der Stadtmauer erhalten. Die alte Stadtburg ist hingegen weitgehend verschwunden.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 47° 21' 02.16" N, 08° 20' 35.20" E
Höhe: 386 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 668.340 / 244.810
Kontaktdaten
Verkehrsbüro Bremgarten | c/o BDWM | Zürcherstrasse 10 | CH-5620 Bremgarten
Tel: +41 (0)56 648 33 33 | E-Mail: bremgarten@bdwm.ch
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Bremgarten ist Hauptort des gleichnamigen Bezirks und liegt 13 km westlich von Zürich im unteren Reusstal an der Kantonsstrasse 1. Parkmöglichkeiten südlich der Altstadt nahe dem Flussufer.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab Zürich zunächst mit der S-Bahn (diverse Linien) nach Dietikon. Hier umsteigen auf die S17 nach Bremgarten (Haltestelle Bremgarten, Obertor).
Wanderung zur Burg
Bremgarten ist Etappenort auf dem Aargauer Reusstalweg.
Öffnungszeiten
Die einzelnen Wehrbauten können nur von aussen besichtigt werden.
Eintrittspreise
-
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Bremgarten
Quellen: Felder, Peter - Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. IV: Der Bezirk Bremgarten | Basel, 1967 | S. 21 | Institut für Denkmalpflege der ETH Zürich (Hg.) - Stadt- und Landmauern, Bd. 2: Stadtmauern in der Schweiz | Kataloge, Darstellungen | Zürich, 1996 | S. 17 | überarbeitet und ergänzt von O. Steimann, 2008
Historie
Graf Rudolf von Habsburg, der spätere König, verlieh der Stadt Bremgarten um 1240 ein erstes Stadtrecht. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte die Siedlung aus zwei Dörfern bestanden. Der bäuerlich geprägten, bereits um 1140 erwähnten «villa» Bremgarten im Bereich der heutigen Unterstadt und dem Dorf Villingen, einer Burgsiedlung in der heutigen Oberstadt. Hier, am Schellenhausplatz, besassen die Habsburger eine Burganlage, die zwei Türme umfasste: Einerseits den mächtigen Platzturm aus Megalithmauerwerk, der 1802 einstürzte. Andererseits einen Turm, der später in ein grösseres Haus, das sogenannte «Schlössli» in der Nordostecke der Stadt, umgewandelt wurde. Von der ersten Stadtbefestigung ist heute nahezu nichts mehr erhalten.

Eine zweite, weit umfangreichere Befestigungsanlage wurde spätestens um 1300 errichtet. Sie reichte südseitig bis hinunter zur 1281 erstmals erwähnten Reussbrücke, zu deren Schutz das sogenannte Bollhaus erstellt wurde. Auch der erste Obertorturm stammt aus jener Zeit, sowie die Stadtmauer, welche die gesamte Unterstadt in die Anlage mit einbezog.
In einer dritten Phase erhielt die Stadtbefestigung weitgehend ihr heutiges Aussehen. Ab 1407 wurden die Ecken mit Rundtürmen gesichert: Zunächst entstand der Hermannsturm im Norden, kurz darauf der Hexenturm im Südwesten und der Krattenturm im Südosten der Stadt. Der Ostmauer wurde eine zweite Befestigung vorgelagert, von welcher heute noch ein längeres Stück samt Wehrgang erhalten ist. In einem letzten Ausbauschritt wurde die Mauer nördlich bis ans Reussufer verlängert, wo der heute nicht mehr vorhandene Pulverturm stand. Schliesslich wurde der Obertorturm, wegen des damals benachbarten Spitals auch «Spittelturm» genannt, von 1556 bis 1559 durch den heute sichtbaren, hohen Neubau ersetzt.

Bremgarten hielt im 14. Jhdt. treu zu den Habsburgern und stellte für sie auch Truppen in den Schlachten am Morgarten (1315) und in Sempach (1386). Als die Eidgenossen 1415 den Aargau eroberten, fiel ihnen auch Bremgarten in die Hände. König Sigismund erhob es zwar zur freien Reichsstadt, doch war an eine unabhängige Entwicklung nun nicht mehr zu denken. Als Bremgarten im Alten Zürichkrieg zum Bündnispartner Zürich hielt, wurde es 1443 von den Eidgenossen erneut erobert, schwer beschädigt und in seinen Freiheiten eingeschränkt. Dank ihrer Finanzkraft konnte die Stadt trotzdem Vogteien im Umland erwerben, die sich über immerhin 50 Quadratkilometer erstreckten.
In der Reformationszeit wurde Bremgarten als strategisch wichtiger Punkt zum Zankapfel zwischen den katholischen und den reformierten Orten der Eidgenossenschaft. Hier wirkte der berühmte Reformator Heinrich Bullinger. Doch nach dem Sieg über die Reformierten in der Schlacht von Kappel (1531) zwangen die katholischen Orte Bremgarten, wieder zum alten Glauben zurückzukehren. Bullinger floh nach Zürich.

In den Brennpunkt kriegerischer Ereignisse geriet das Städtchen wiederum in der Zeit der Helvetik. 1798 verlor es zunächst seine Vorrechte und Vogteien. 1799 wurde es zum Aufmarschgebiet der Franzosen und war kurzzeitig Hauptquartier von General Masséna. 1803 wurde Bremgarten schliesslich von Napoleon Bonaparte dem neu gegründeten Kanton Aargau zugeteilt.
Die alten Befestigungsanlagen verloren nun ihre Bedeutung, zerfielen und wurden teilweise abgebrochen. Der Turm beim ehemaligen Amtshaus des Klosters Muri nahe der Reussbrücke, der heute leider das Stadtbild prägt, gehört nicht zu den alten Wehrbauten. Er ist eine stilistisch eher unglückliche Zutat aus der Zeit um 1900.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente
Literatur
  • Berger, Ric - Burgen und Schlösser in der Schweiz, Bd. I | Neuenburg, o.J. | S. 90-91
  • Bosch, Reinhold - Die Burgen und Schlösser des Kantons Aargau | Aarau, 1949 | S. 39-42
  • Felder, Peter - Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau, Bd. IV: Der Bezirk Bremgarten | Basel, 1967 | S. 9-31 und S. 150-153
  • Hauswirth, Fritz - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 3: Aargau | Kreuzlingen, 1967 | S. 46-49
  • Institut für Denkmalpflege der ETH Zürich (Hg.) - Stadt- und Landmauern, Bd. 2: Stadtmauern in der Schweiz | Kataloge, Darstellungen | Zürich, 1996 | S. 16-18
Webseiten mit weiterführenden Informationen
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