Wappen von Arconciel
Burg Arconciel / Arconciel - Kanton Freiburg
Historie


Der Name Arconciel taucht erstmals in einer Urkunde aus dem Jahr 1082 auf, als Kaiser Heinrich IV. auf Anraten der Bischöfe von Lausanne und Sion das "castrum Arconiacum" samt zugehörigem Dorf einem seiner Getreuen vermachte. Der Name dieses Grafen, der Arconciel im Investiturstreit für den Kaiser sichern sollte, wird in verschiedenen Abschriften als Conon oder Ulrich überliefert. Es ist nicht ganz klar, welcher Familie er angehört hat; wahrscheinlich handelte es sich um Graf Conon von Oltigen, den Bruder des Lausanner Bischofs. Wie die Burg von Arconciel damals ausgesehen hat, ist mangels archäologischer Erkenntnisse nicht bekannt.

In der ersten Hälfte des 12. Jhdts. dürfte Arconciel in den Besitz der Herren von Glâne gelangt sein. Peter von Glâne, ein Gefolgsmann der Grafen von Burgund, wurde 1143 in Payerne ermordet. Das Erbe wurde unter seinen vier Töchtern aufgeteilt. Von diesen war Emma von Glâne mit Rudolf von Neuenburg verheiratet, der fortan als Herr von Arconciel in Erscheinung trat. Über fünf Generationen blieb diese Grafenfamilie nun im Besitz von Burg und Herrschaft, die offenbar nach wie vor als Reichslehen betrachtet wurden. Dazu gehörte ab der 2. Hälfte des 12. Jhdts. auch die Burg Illens, welche gegenüber von Arconciel am anderen Ufer der Saane errichtet worden war.

Ulrich von Neuenburg-Aarberg, Sohn von Ulrich III. von Neuenburg, übergab Arconciel und Illens 1251 dem mächtigen Grafen Peter II. von Savoyen, um die Herrschaft sogleich als Lehen zurückzubekommen. Die Savoyer bekamen so einen wichtigen Stützpunkt im Kampf gegen die Kyburger in die Hand, mit denen sie während dem Interregnum im Deutschen Reich um die heutige Westschweiz rangen. Ulrich von Neuenburg-Aarberg residierte kaum auf Arconciel und übertrug die Burghut lokal ansässigen Adligen, beispielsweise Ritter Wilhelm de La Roche.
Gegenüber der aufstrebenden Stadt Freiburg erwies sich die Position von Arconciel jedoch als schwach. Dies versuchten die Neuenburger zu ändern, indem sie dem Ort am 1. Juni 1271 das Stadtrecht verliehen. Die Bürger von Arconciel hatten allerdings zuvor schon bestimmte Freiheiten erhalten, ein eigenes Siegel ist seit 1229 nachweisbar.

Arconciel bestand damals aus der Burg mit starkem Donjon am südwestlichen Ende des Plateaus, in der es auch eine dem heiligen Nikolaus geweihte Kapelle gab, und einer durch Mauern, Tore und Türme gesicherten Siedlung mit mehreren Häuserreihen. Letztere scheint aber trotz Stadtrecht nicht aufgeblüht zu sein. Kurz vor Ende des 13. Jhdts. verkaufte Ulrichs Sohn Wilhelm von Neuenburg-Aarberg das Lehen an den ehemaligen Freiburger Schultheissen Niklaus von Englisberg. 1341 kam Arconciel an die Herren von Oron, die dafür den Savoyern huldigen mussten. Als 1350 Luqueta, die Witwe Wilhelms VI. von Oron, Peter von Neuenburg-Aarberg heiratete, kam Arconciel noch einmal in die Hände dieses Grafenhauses. Der neue Besitzer schloss umgehend ein Bündnis mit der Stadt Freiburg. Die Savoyer beharrten aber auf ihren Rechten und zwangen Graf Peter 1351 zum Treueeid. Nach seinem Tod wurde Arconciel an den Walliser Adligen Anton vom Thurm veräussert, der aus seiner Heimat hatte fliehen müssen, weil er seinen Grossonkel, den Bischof von Sion, hatte ermorden lassen. In Arconciel bestätigte er den Stadtbürgern umgehend ihre Rechte.

In der nächsten Generation vererbte sich Arconciel an die Herren von Baume, die in Diensten der Savoyer standen. Spätestens unter ihrer Herrschaft wurden Burg und Stadt jedoch aufgegeben, denn in einem Urbar von 1441 werden sie als Ruinen bezeichnet. Hingegen wurde die nahe Burg Illens erneuert und ausgebaut. Die politische Anlehnung an Savoyen, das in den Burgunderkriegen auf der Seite von Karl dem Kühnen stand, sollte den Herren von Baume aber zum Verhängnis werden. Als Gegner des Burgunderherzogs eroberten die eidgenössischen Städte Freiburg und Bern am 4. Januar 1475 die Burg Illens. Die Herrschaft Arconciel wurde zunächst von beiden Städten gemeinsam, ab 1484 von Freiburg allein verwaltet.
Die Ruinen von Burg und Stadt wurden von den benachbarten Dörfern mit offizieller Erlaubnis Freiburgs als Steinbruch genutzt: Beispielsweise 1620 für die Reparatur der Kirche von Treyvaux, 1784 für jene von Arconciel. Vor allem im 19. Jhdt. führte diese Ausbeutung dazu, dass grosse Teile der Anlage verschwanden. Die baulichen Zusammenhänge sind heute nicht mehr erkennbar und konnten auch durch eine Teilgrabung von 1975 nicht geklärt werden.

QUELLEN: FLÜCKIGER, Roland. Mittelalterliche Gründungsstädte zwischen Freiburg und Greyerz [Freiburger Geschichtsblätter, Bd. 63]. Freiburg i.Ü. 1984. S. 23-49. / DE VEVEY, Bernard. Châteaux et maisons fortes du Canton de Fribourg [Archives de la société d'histoire du Canton de Fribourg, Tome XXIV]. Freiburg i.Ü. 1978. S. 19-27. / REINERS, Heribert. Die Burgen und Schlösser des Kantons Freiburg, II. Teil. Basel 1937. S. 18-22. / HAUSWIRTH, Fritz. Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 11: Bern 2, Neuenburg, Freiburg. Kreuzlingen 1975. S. 139-142. / BITTERLI, Thomas. Schweizer Burgenführer. Basel/Berlin 1995. Nr. 188.


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