Wappen von Paspels
BURG ALT-SÜNS
Europa / Schweiz / Kanton Graubünden / Bezirk Hinterrhein / Paspels

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Historie

Grundriss

Alt-Süns bei Paspels bildete den Verwaltungsmittelpunkt für die Güter und Herrschaftsrechte der Freiherren von Vaz im Domleschg. Über die Entstehungszeit der Burg liegen keine Nachrichten vor, doch kann der mächtige Wohnturm ins späte 12. Jhdt. datiert werden. Er steht am östlichen Ende des länglichen Burghügels, der durch einen Zwischengraben unterteilt und durch einen weiteren Graben auf der Ostseite geschützt wurde. Ob ein noch schwach erkennbarer Mauerzug südlich des Turms einer noch früheren Bauphase zuzurechnen ist, müsste durch Ausgrabungen geklärt werden.
Der Turm misst im Grundriss ca. 12 x 12 Meter und weist 2 Meter dicke Mauern auf. Ausser in der Südwestecke ist der Mauersockel noch bis auf seine ursprüngliche Höhe von vier Stockwerken erhalten. In- und auswendig weisen die Mauern stellenweise Reste von Verputz auf. Das Bauwerk hatte einst drei Aborterker, wovon jener im zweiten Stockwerk bei einem Umbau zugemauert wurde. Durch einen Ausgang auf der obersten Etage konnte man ursprünglich auf einen Laubengang gelangen.
Vom einstigen Bering, der in einer zweiten Bauphase an den Turm angefügt wurde, ist auf der Nordwestseite ein Ansatz erhalten geblieben. Das Mauerwerk ist in schönster Ähren- oder Fischgrattechnik (opus spicatum) ausgeführt. Von weiteren Gebäuden fehlen Spuren, insbesondere im von Schutt bedeckten westlichen Teil des Areals. Hier dürften einst Ställe oder andere Ökonomiebauten gestanden haben.

Die Vazer, damals die mächtigste Adelsfamilie Rätiens, werden 1237 als Besitzer der Herrschaft Paspels/Süns bezeugt. Die Burg selbst wird in den Schriftquellen aber erst 1285 genannt, als die Witwe Walters IV. von Vaz und ihre Söhne «apud castrum Svnnes» eine Urkunde ausstellten. Es ist denkbar, dass sich ein Ministerialengeschlecht, das für die Vazer die Burghut versah, nach Alt-Süns benannte. 1274 erscheint in einer Urkunde des Klosters Pfäfers ein «Hermannus de Svnnes».
Als die Freiherren von Vaz um 1338 ausstarben, fiel ihr Erbe im Domleschg den Grafen von Werdenberg-Sargans zu. Diese veräusserten Alt-Süns 1365 an die Familie von Matsch, behielten sich aber ein Rückkaufsrecht vor. Tatsächlich waren sie bereits gegen Ende des 14. Jhdts. wieder Besitzer der Burg. Als Graf Heinrich von Werdenberg-Sargans 1437 mit Schwyz und Glarus einen Landrechtsvertrag abschloss, wurde Alt-Süns darin ausdrücklich genannt.

Das Ende der Burg wurde 1451 besiegelt, als sich in der so genannten Schamserfehde der lokale Adel und die Talleute gegen die Grafen von Werdenberg-Sargans erhoben. Zusammen mit anderen Domleschger Burgen wurde damals auch Alt-Süns zerstört. Offenbar wurde die südwestliche Ecke des Turms zum Einsturz gebracht, um diesen unbrauchbar zu machen. Die Grafen verzichteten nach dem Friedensschluss von 1452 auf einen Wiederaufbau der Burg. Diese erscheint zwar in späteren Urkunden noch als geografischer Bezugspunkt, blieb jedoch Ruine.

Quellen: Otto P. Clavadetscher/Werner Meyer - Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich/Schwäbisch Hall 1984. S. 119-121. / Werner Meyer (Red.) - Burgen der Schweiz, Bd. 3: Kanton Graubünden (deutschsprachiger und romanischer Teil). Zürich 1983. S. 10-11. / Werner Meyer/Eduard Widmer - Das grosse Burgenbuch der Schweiz. Zürich 1977. S. 54. / Erwin Poeschel - Das Burgenbuch von Graubünden. Zürich/Leipzig 1930. S. 193-194. / Erwin Poeschel - Die Kunstdenkmäler des Kantons Graubünden, Bd. III: Räzünser Boden, Domleschg, Heinzenberg, Oberhalbstein, Ober- und Unterengadin. Basel 1940. S. 113. / Anton von Castelmur - Die Burgen und Schlösser Graubündens, I. Teil: Herrschaft, Prätigau, V Dörfer, Chur und Umgebung, mit Schanfigg, Domleschg. Basel 1940. S. 89-91. / Fritz Hauswirth - Burgen und Schlösser der Schweiz, Bd. 8: Graubünden 1 (Nordbünden). 2. überarb. Aufl. Kreuzlingen 1981. S. 132-134. / Thomas Bitterli - Schweizer Burgenführer. Basel/Berlin 1995. Nr. 313.
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