BURG ALT-LÄGERN
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Allgemeine Informationen
Langgezogene Ruine auf dem höchsten Punkt des schroffen Grats der Lägern. Sichtbar sind zwei tiefe Abschnittsgräben und die konservierten Reste der massiven Umfassungsmauer. Gemäss dem Fundmaterial haben die unbekannten, vermutlich hochadligen Erbauer die Höhenburg kurz nach 1200 aufgegeben.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 47° 28' 54.73" N, 08° 23' 38.97" E
Höhe: 866 m ü. M
Topografische Karte/n
Schweizer Landeskarte: 672.020 / 259.450
Kontaktdaten
k.A.
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
keine
Anfahrt mit dem PKW
Von Zürich-Nord auf der Wehntalerstrasse (Kantonsstrasse 17) über Regensdorf nach Dielsdorf fahren. Im Dorfzentrum links in die Regensbergstrasse einbiegen und dieser bis hinauf zum mittelalterlichen Städtchen folgen. Hier links in Richtung Boppelsen abbiegen und nach dem Ortsausgang am Waldrand parkieren. Ab hier führt ein Waldweg hinauf zum Restaurant Lägern-Hochwacht. Ab dort auf dem Gratweg in 5 Min. zur Ruine.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
Ab Zürich regelmässige Bahn-Verbindung (S5) nach Dielsdorf. Ab hier mit der Buslinie 593 bis zur Endstation Regensberg. Von Regensberg aus führt ein ausgeschilderter Wanderweg in rund 1 Std. hinauf zur Lägern-Hochwacht und weiter zur Ruine.
Wanderung zur Burg
Der Jura-Höhenweg führt unmittelbar an der Burg vorbei.
Öffnungszeiten
ohne Einschränkung
Eintrittspreise
kostenlos
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
keine
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
nicht möglich
Bilder
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Grundriss
Grundriss Alt-Lägern
Quelle: gemäss Infotafel auf der Burg | überarbeitet von O. Steimann, 2007
Historie
Lange Zeit hat man die Burgruine nahe der Lägern-Hochwacht für den kurzlebigen Sitz einer Ministerialenfamilie im Dienst der Freiherren von Regensberg gehalten, die in der sagenumwobenen «Regensberger Fehde» um 1267 zerstört worden sein soll. Aufgrund einer Neuauswertung der Fundgegenstände von der Burg und mit Blick auf die stattliche Grösse der Anlage wird diese These in jüngster Zeit jedoch verworfen.

67 Meter lang und etwa 20 Meter breit war die Burg, die vermutlich im frühen 12. Jhdt. auf dem höchsten Punkt des Lägerngrates angelegt wurde. Sowohl auf der West- als auch auf der Ostseite wurden tiefe Abschnittsgräben in den Jurakalk gebrochen. Die Mauern der Burg wurden direkt auf den Fels gesetzt und mussten bis zum höchsten Punkt des Grates zudem eine stattliche Höhendifferenz überwinden. Die Gestalt der Anlage kann aus den heute noch erkennbaren Resten nicht rekonstruiert werden. Eine rund 2 Meter dicke Umfassungsmauer umschloss das Areal zumindest auf der West-, Süd- und Ostseite. Inwendig lehnten sich an diese Mauer weitere Gebäude an. Im Zentrum der Anlage befand sich eine Zisterne, eine zweite wurde ausserhalb der Burg auf der steilen Nordseite des Berggrats entdeckt.
Die Kleinfunde belegen den gehobenen Lebensstil der Bewohner. Bereits im 12. Jhdt. verfügten sie über einen Kachelofen. Ausserdem gab es auf der Burg Glas, vergoldete Beschläge von Bucheinbänden und Kästchen, man kannte Schach und Würfelspiele, es wurden Pferde, Schweine, Rinder, Ziegen, Hühner und Katzen gehalten und man jagte Vögel, Wildschweine, Hirsche und Hasen. Ausserdem wurden Spindeln, Bestandteile eines frühen Trittwebstuhls, Reste von Beinschnitzereien, Münzen, Waffen, Scheren, Messer und Wetzsteine gefunden.

Wer diese Höhenburg angelegt und bewohnt hat, ist völlig unbekannt. Die Herren von Regensberg gründeten das benachbarte Neu-Regensberg erst um die Mitte des 13. Jhdts. Die Burg Alt-Lägern wurde aber, wie die Kleinfunde zeigen, bereits kurz nach 1200 für immer verlassen und dem Zerfall preisgegeben.
1244 taucht ein Ritter Arnold von Lägern in den Urkunden auf. Er war ein Dienstmann der mächtigen Regensberger. Auch über die folgenden zwei Generationen stand das in Zürich und im Zürcher Unterland begüterte Geschlecht in enger Verbindung mit den Freiherren, und wie bei diesen folgte um 1300 sein Niedergang. Der letzte bekannte Herr von Lägern war Friedrich, der um 1387 völlig verarmt in Zürich gelebt haben soll. Eine direkte Verbindung der Familie zur Burg Alt-Lägern lässt sich jedoch keine finden.

Auf Initiative des Wirtes des Gasthauses auf der Lägern-Hochwacht begann 1902 die Freilegung der Ruine. Die Arbeiten unter Leitung der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich wurden für damalige Verhältnisse recht professionell ausgeführt: Mauerzüge wurden fotografiert, Kleinfunde gesammelt und selbst die ausgegrabenen Tierknochen ausgewertet. Wegen Geldmangels konnte die Untersuchung der Burg allerdings nie abgeschlossen werden. 1903 wurde die Grabungstätigkeit eingestellt, im Jahr darauf konservierte man die freigelegten Mauerzüge. Eine erste Auswertung der Funde wurde 1946 publiziert. Die damaligen Erkenntnisse sind durch eine Untersuchung von 2003 (Windler) jedoch stark in Frage gestellt worden. Die Burgruine selbst wurde 1982 letztmals saniert.
Quellen: Zusammenfassung der unter Literatur angegebenen Dokumente, inkl. Infotafel auf der Burg
Literatur
  • Bitterli, Thomas - Schweizer Burgenführer, mit Einschluss des Fürstentums Liechtenstein | Basel/Berlin, 1995 | Nr. 786
  • Fietz, Hermann - Die Kunstdenkmäler des Kantons Zürich, Bd. II: Die Bezirke Bülach, Dielsdorf, Hinwil, Horgen und Meilen | Basel, 1943 | S. 90-91
  • Hedinger, Heinrich - Geschichte des Städtchens Regensberg | 3. Aufl. | Bern, 1969 | S. 26-27 und S. 194
  • Schneider, Hugo / Heid, Karl - Das Fundmaterial aus der Burgruine Lägern | In: Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte, Bd. 8 | Basel, 1946 | S. 29-46
  • Windler, Renata - Burgruine Altlägern: Archäologische Forschung vor 100 Jahren | In: Meier, Rolf / Meier, Bruno (Hg.) - Die Lägern: Eine Gratwanderung | Baden, 2003 | S. 120-122
  • Windler, Renata - Burgruine Alt-Lägern | In: Böhmer, Roland et alt. (Hg.) - Vom Grabhügel zur Ökosiedlung: Zürcher Baugeschichten [Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, Bd. 74] | Zürich, 2007 | S. 46-47
  • Zeller-Werdmüller, Heinrich - Zürcherische Burgen | In: Mitteilungen der Antiquarischen Gesellschaft in Zürich, 48./49. Jhrg. | Zürich, 1894-1895 | S. 334
Webseiten mit weiterführenden Informationen
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