BURG HEIDENREICHSTEIN
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Allgemeine Informationen
Heidenreichstein ist die großartigste Wasserburg Österreichs. Der Felskopf, auf dem sie sich erhebt, überragt nur wenig die Umgebung und wird im Süden vom Hauswehrteich, im Osten vom Romaubach, im Westen und Norden durch künstliche Gräben begrenzt. Das späte Mittelalter schuf jene Anlage der Burg, die uns heute erhalten geblieben ist. Von außen erweckt die Burg durch die gleichmäßig hohe Steilheit der Mauerflächen und deren Kontrast zu den massigen Rundtürmen in gleicher Höhe einen dräuenden Eindruck. Auch die Kamine zeigen eine sonst nie beobachtete Höhe und Ausdehnung. Im Mittelalter ist auch die bauliche Um- bzw. Neugestaltung des äußeren Burghofes mit seiner turmbewehrten Ringmauer geschaffen worden. Der Schwerpunkt des ganzen Baues liegt in der Abwehr; fast keine Fenster, um die Mauer nicht zu schwächen; viereckige und runde Türme mit ihren Wehrgängen flankieren die Mauerzüge, um ein seitliches Beschießen zu ermöglichen. Der Zugang zur Burg erfolgt vom Norden über einen Graben mit darüberführender Zugbrücke und leitet zum Renaissancebau, der 1549/50 von Freiherr Friedrich Christoph Puchheim errichtet worden ist. Die Vorburg umschließen einfache Gebäudetrakte. Besondere Beachtung verdient die Ostseite, mit dem vierseitigen Bergfried in der Mitte dieses Traktes und dem halbrunden Südturm ("Hungerturm"). Der gewaltigste und wohl auch älteste Teile der Burg ist der Bergfried mit seinem 25 Quadratmeter umfassenden Innenraum. Etwa 1160 dürfte er auf dem Granitfelsen der Au errichtet worden sein. In 14 Metern Höhe sieht man heute noch an der Außenwand den ehemals einzigen Zugang zum Turm, ehe sich die Wohntrakte an seine Flanken anschlossen. Noch jetzt kann man nur kriechend über schmale, 60cm hohe Stufen, die im Innern der Turmmauer laufen, zur Höhe der oberen Geschoße gelangen. Ein einzige Mann genügte, um diese Stiegenschlucht uneinnehmbar zu machen. Im 15. Jahrhundert überbaute man den mit schönen spätgotischen Fliesen versehenen "Rittersaal" in zehn Meter Höhe mit einem Dachgebälk, das sich wie der Rumpf eines riesigen Schiffes über den Raum stülpt. Im 18. Jahrhundert, als man eine solche Höhe nicht mehr ertrug und sie auch unpraktisch fand, wurde ein Boden eingezogen, und es entstanden 2 Säle. Ähnlichen, in der Spätgotik nur umbauten Raum, aus dem man erst im 18. und auch im 19. Jahrhundert Räumlichkeiten schuf, besaß die Burg in allen Trakten.
Informationen für Besucher
Geografische Lage (GPS)
WGS84: 48°51'51.6" N, 15°07'18.9" E
Höhe: 557 m ü. NN
Topografische Karte/n
nicht verfügbar
Kontaktdaten
Kinsky‘sches Forstamt Burg Heidenreichstein GmbH & Co OG | Schremser Straße 1 | AUT-3860 Heidenreichstein
Tel: +43 02862 52268 | E-Mail: forstamt@kinsky-heidenreichstein.at
Warnhinweise / Besondere Hinweise zur Besichtigung
k.A.
Anfahrt mit dem PKW
Kostenlose Parkmöglichkeiten neben der Burg.
Anfahrt mit Bus oder Bahn
k.A.
Wanderung zur Burg
k.A.
Öffnungszeiten
Besichtigung nur im Rahmen einer Führung möglich.

März - Oktober
Täglich: um 10:00, 11:00, 14:00, 15:00, 16:00 Uhr
Montag: geschlossen
Bitte prüfen Sie hier die aktuellen Öffnungszeiten.
Eintrittspreise
Erwachsene: 10,00 EUR
Ermäßigt: 8,50 EUR
Bitte prüfen Sie hier die aktuellen Eintrittspreise.
Einschränkungen beim Fotografieren und Filmen
ohne Beschränkung
Gastronomie auf der Burg
keine
Öffentlicher Rastplatz
keiner
Übernachtungsmöglichkeit auf der Burg
keine
Zusatzinformation für Familien mit Kindern
k.A.
Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer
Für Rollstuhlfahrer nicht erreichbar.
Bilder
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Grundriss
Grundriss Burg Heidenreichstein
Quelle: Reichhalter, Gerhard & Kühtreiber, Karin & Thomas - Burgen Waldviertel Wachau | St. Pölten, 2001
(durch Autor leicht aktualisiert)
Historie
Graf Konrad von Raabs und Burggraf von Nürnberg, um 1191/92 gestorben, hatte zwei Töchter als Erben der Grafschaft Raabs-Litschau: Sophie, mit Graf Friedrich von Zollern vermählt, verkaufte im Herbst 1200 den Markt Raabs und die Grafschaftsrechte an den österreichischen Herzog Leopold; der westlich gelegene Besitz, dessen Hauptort Litschau ist, kam durch die Schwester Agnes an ihren Gemahl, den Grafen Gebhart Hirschberg-Tollenstein (Oberpfalz-Nordgau). 1297 überließ der jüngere Graf Gebhart von Hirschberg um 250 Mark Silber zu Passau seine Grafschaft Litschau und Heidenreichstein mit Zugehör, auch mit dem, was die Burggrafen von Gars als Lehen hatten, an Herzog Albrecht I. von Österreich. Durch diese Käufe kam die bisher reichsunmittelbare Grenz-Grafschaft an das Land Österreich.

Von den Burggrafen von Gars-Eggenburg sind Heidenreich und Otto, Söhne Wolfkers, bekannt, der um 1190 als Wolfker von Gars in Klosterneuburg beigesetzt wurde, wobei diese Söhne eine Stiftung machten. Von Heidenreich blieb der Name der Burg und Siedlung Heidenreichstein, Otto nennt sich 1205 nach diesem Besitz von Heidenreichstein. Wir finden um 1150 - 1200 das Vordringen der Garser Burggrafen über Merkenbrechts (Erchenbert war der Vater des obgenannten Wolfker) bei Allentsteig, Glieder der Kuenringer Familie, zur Thaya herauf und verstehen auch ihren weiteren Weg über die Reinberg-Wasserscheide zur Romau-Braunau-Lainsitz im Litschauer Gebiet. Noch vor dem Verkauf hatte 1282 Graf Gebhard von Hirschberg die Brüder Luitold und Heinrich von Kuenring mit der Grafschaft Litschau und Heidenreichstein und der Burg Raabs belehnt. Herzog Friedrich I. verpfändete Litschau und Heidenreichstein 1314 um 750 Pfund an Johann von Klingenberg, der diesem Gebiete 1338 die Kapelle zu Eisgarn als Pfarre von Litschau abtrennte und 1345 dabei ein Weltpriester-Kollegial-Kapitel stiftete, da sich der Landesfürst die Pfarrlehen von Litschau und Heidenreichstein vorbehalten hatte. Der Sohn Heinrich von Klingenberg fiel 1346 in der Schlacht von Crecy, der mit König Johann in den französischen Krieg gezogen war.

Als Pfandinhaber folgte 1348 Albrecht von Puchheim, dem Herzog Albrecht II. Litschau und Heidenreichstein als Lehengut gegen die in Oberösterreich gelegene Stammburg Puchheim vertauschte. Aus 1369 ist uns ein genaues Dienstbuch der Grafschaft Litschau-Heidenreichstein erhalten, das bei der Übergabe angelegt wurde und die Erträgnisse aus allen der Herrschaft untertänigen Ortschaften vermerkt. Heidenreichstein erhält in Summe jährlich: 36 ½ Gelddienst, 92 ¼ Metzen Mohn, 1225 Käse, 299 Hühner, 175 Schatt Haar (Flachs), 8 ½ Schock Eier, 216 Metzen Forsthafer und 2 Küfel Salz. Als Burggraf (Verwalter) wird 1382 Niklas der Hecht genannt.

1384 starb Alfred von Puchheim, es folgt sein Sohn Pilgrim III. mit seinen Brüdern. 1391 teilen die Puchheim in der Familie Heidenreichstein mit Thaya von Litschau ab und werden Albrecht V. und Jörg von Puchheim von Herzog Albrecht IV. mit der Herrschaft Heidenreichstein belehnt, die mit ihren Halbbrüdern auf Litschau eine Erbverbrüderung abschließen. Albrecht von Heidenreichstein erhielt 1411 das Obertruchseßamt in Österreich. Der Sohn Georg folgt um 1423 und ist 1458 gestorben. Sein Grabstein in der Kirche Raabs zeigt ihn als geharnischten Ritter. Um 1400 waren durch die Übernahme der Burg Umbauten nötig, die durch die Hussiten-Kriegszeit 1425 - 1431 unterbrochen wurden. Gotische Baureste sind im innersten Hof erkennbar (Hofhalle mit Eselsrücken-Bogen-Eingang). Die Söhne Heinrich IV., Christoph I., Albrecht VI., Johann X. und Balthasar I. waren tapfere Krieger; dem Heinrich vertraute Kaiser Friedrich 1467 - 1476 in schwerer Zeit die Burghut von Waidhofen an der Thaya. 1514 verzichtet Johann von Puchheim, Herr auf Heidenreichstein, auf Erbansprüche von Raabs zu Gunsten seiner Vettern gegen 1400 fl. Entschädigung. 1522 - 1561 erhielten die Puchheim wiederholt die Belehnung mit der Veste Heidenreichstein und dem zugehörigen Landgericht (Burgverlies) = Gerichtsbarkeit mit Stock und Galgen.

Wilhelm von Puchheim tötete 1532 im Kampf gegen die Türken 20 Feinde. Er war Landmarschall in Österreich, mit Barbara von Ungnad vermählt, hatte aber viele Schulden. 1542 starben er und sein Bruder Pilgrim, Heidenreichstein kam an die Söhne Pilgrims: Friedrich Christoph, Andreas II. und Otto Heinrich. Diese bauten 1549 das äußere Vorwerk mit dem Toreingang, das hübsche Renaissanceformen aufweist (Wappen der Puchheim zeigt zwei Balken im 1. und 4.Feld und 3 Garben im 2. und 3.Feld). Sofort nach dem 1.Türkenkrieg 1529 regte der Landesfürst die Anlage von Vorwerken an den Burgen und geeigneten Städten an, die wir so vielfach nach 1530 finden und die hier gut erhalten sind. Friedrich Christian starb 1554, Andreas 1572 und seine Gemahlin, eine geborene Herberstein, 1592. Sie begünstigten das Luthertum. Otto, ein ausgezeichneter Kriegsmann, stand in hohem Ansehen bei Hof und wurde 1578 von Graf Niklas Salm erstochen. Um 1584 hatten die Puchheim unter allen Adelsfamilien Niederösterreichs die meisten Grundholden (4055 Untertanenhäuser) in den Herrschaftsgebieten von Heidenreichstein, Dobersberg, Karlstein, Raabs, Horn, Göllenbach, Krumbach und Kirchschlag. Litschau hatte die Familie 1470 verloren, 1610 unterfertigte Wolf Adam von Puchheim, Sohn des Andreas, das Todesurteil der Mörder Philipp und Hans Lärntrag zu Litschau. Er war katholisch und ließ sich in den Franziskaner-Orden aufnehmen. Heidenreichstein erhielt sein Bruder Hans Bernhard, der auch Gmünd und Schrems innehatte. In der Burg zeigt eine Landkarte den Besitz der Puchheim im Waldviertel.

Aber auch die Schulden waren schon so hoch angewachsen, daß schließlich 1636 Siegmund Adam, Herr von Traun, an die Gült angeschrieben wurde. 1640 überließ er Heidenreichstein an Sophie von Puchheim, worauf ihr Lehensträger Hans von Polheim 1641 die Belehnung erhielt. Noch im gleichen Jahre ging Heidenreichstein an ihre Töchter Elisabeth und Eva von Zinzendorf über. Eve vermählte sich 1643 mit Karl Balthasar Khuen Grafen von Belassi, der 1645 sein Schloß Landstein hinter Kautzen gegen die Schweden tapfer verteidigte und 1654 gestorben ist, ohne Nachkommen. Zeichnung seiner Grabtafel in der Eingangshalle der Kirche Heidenreichstein. 1640 erscheint Elisabeth von Zinzendorf als Besitzerin der Burg, die 1642 von der Stadtgemeinde Waidhofen an der Thaya um 550 fl. das sogenannte "Drösiedl-Holz" bei Pfaffenschlag ankauft und später der Marktgemeinde Heidenreichstein schenkte, wie auch Propst Faßroyer von Eisgarn 1648 mit dem halben Drösiedl-Holz den Markt belehnte. - Sie war mit Wolf Christoph von Volkra verehelicht, der vom Kaiser Ferdinand 1650 für Heidenreichstein den Titel einer Grafschaft erhielt. Erbe wurde sein zweitgeborener Sohn Otto Volkra, der am 12.März 1670 in den Reichsgrafenstand erhoben wurde, aber durch Verschuldung den Besitz verlor, der durch Kauf an Margaretha, Marchese degli Obbizzi, geb. Gräfin Pálffy ab Erdöd gelangte, die Heidenreichstein zu einem Fideikommiß für das Haus Pálffy bestimmte. Ihr Bruder Nikolaus Graf Pálffy wurde 1714 für sich und seine ehelichen Nachkommen mit Heidenreichstein belehnt, lebte aber viel als königlicher Statthalter in Ungarn, meist in Preßburg, wo er 1732 starb. Erbe wurde 1732 sein Enkel Nikolaus Graf Pálffy, der 1740 die Herrschaft Weissenbach und den Edelsitz Eisenreichs bei Heidenreichstein als Allod erwarb. 1774 folgte sein ältester Sohn Karl von Pálffy, der 1807 in den Fürstenstand erhoben wurde. 1816 - 1827 war der Sohn Josef Franz Fürst Pálffy Herr auf Heidenreichstein, 1827 - 1879 sein Sohn Anton Karl Chef des fürstlichen Hauses. Erbe wurde Nikolaus Fürst Pálffy, ein Brudersohn des Vorgängers, der 1885 - 1925 in glücklichster Ehe mit Margareta Gräfin Zichy vermählt war. Nach seinem Tode 1935 erbte sein Neffe Ladislaus Fürst von Pálffy den Besitz, der als letzter der Linie am 19.Jänner 1947 im 80.Lebensjahr starb und zu Heidenreichstein neben seiner Frau im Grabe ruht. Durch Freundschaftsvermächtnis kam der Besitz an Rudolf Graf van der Straten-Ponthoz, dem ehemaligen Adjutanten des Erzherzogs Franz Ferdinand d'Este und Leiter der Spanischen Hofreitschule in Wien vom Jahre 1919 - 1939, dessen zweitälteste Tochter Josefine, mit Christian Graf Kinsky von Vchinitz und Tettau verehelicht, im Jahre 1961 Burg und Gut Heidenreichstein erbte.
Quelle: Mitteilung von Herrn Manfred Maringer, Kinsky'sches Forstamt.
Literatur
  • Aufsess, Hans Max von - Burgen | München, 1988
  • Clam Martinic, Georg - Österreichisches Burgenlexikon | Linz, 1992
  • Krahe, F.-W. - Burgen des deutschen Mittelalters | Augsburg, 1996
  • Reichhalter, G. & Kühtreiber, K. & T. - Burgen Waldviertel Wachau | St. Pölten, 2001
  • Stenzel, Gerhard - Von Burg zu Burg in Österreich | Wien, 1973
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  • k.A.
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