Wappen von Mühlhausen
Stadtmauer / Mühlhausen - Thüringen
Historie


Die Besiedelung Mühlhausens im 6. bis 8. Jh. ist archäologisch nachgewiesen. Die schriftliche Überlieferung setzt aber erst 967 ein, als Kaiser Otto II. in Mühlhausen eine Urkunde ausfertigt. Ein Königshof hat in dieser Zeit wohl bestanden. In der zweiten Hälfte des 10. Jh. war Mühlhausen bereits Hauptort des umfangreichen Reichgutkomplexes. Er hatte 20 Servitien, d. h. Versorgungseinheiten in Form von Lebensmitteln, an den König zu liefern. 974 übertrug Otto II. seiner Frau Theophanu den Reichsgutskomplex als Eigengut. Über Befestigungsanlagen aus dieser Zeit gibt es keine Nachricht. Der Königshof war möglicherweise an der Stelle, die heute die Bezeichnung "An der Burg" trägt. Die heute dort befindlichen "Befestigungen" wurden erst 1851 errichtet.

1180 brannte der Sachsenherzog Heinrich der Löwe Mühlhausen und das benachbarte Nordhausen ab und eröffnet damit den Krieg gegen Friedrich Barbarossa. Möglicherweise ist dieser Gewaltakt der Anlass gewesen, eine starke Stadtmauer zu bauen. Nach neuesten Erkenntnissen und dendrochronologischen Untersuchungen erfolgte der Bau der ältesten Teile der Stadtmauer in der Zeit um 1200. Die Bauzeit des Hospitalturmes ist in den Jahren nach 1204 einzuordnen. Laut chronikalischen Überlieferungen hat Kaiser Otto IV. 1208 bis 1211 die Stadtmauer erbauen lassen. In dieser Zeit hat er uneingeschränkt über Mühlhausen verfügen können.

Der Verlauf der Stadtmauer deckte sich nicht mit der damals bestehenden Stadtstruktur. Im Osten und Westen bezog man Ortsteile nicht mit in den Mauerbereich ein. Sie wurden zu Vorstädten. Die Mauer hatte eine Länge von 2,7 km. Vier Haupttore führten in die Stadt (Görmartor, Erfurter Tor, Fechtaer Tor und Frauentor). Vor der Mauer befanden sich Graben, Wall und äußerer Graben. Das Mauerwerk bestand aus zwei Schalen aus großen qualitätsvollen Quadern. Das Füllmauerwerk wurde teilweise in opus spicatum aufgemauert. Die Stärke der Mauern betrug ca. 1,7 Meter und die Höhe ca. 6 Meter.

In der ersten Hälfte des 13. Jh. gelang es der durch die Tuchherstellung reich gewordenen Stadt dem König immer mehr Rechte abzukaufen. Das manifestierte sich unter anderem darin, dass die Stadt eine Mauer zwischen königlicher Burg und Stadtterritorium errichtete. Der Bau wurde erst nachträglich von Konrad IV. 1251 genehmigt. In diesem Zusammenhang wurde erstmals ein städtischer Beamter genannt, dem die Bauaufsicht über die Stadtmauer oblag, der magister muri. König Wilhelm von Holland versuchte die Rechte wieder zurückzunehmen. Das führte zum Aufstand der Burger und letztendlich zur Zerstörung der königlichen Burg 1256. Von ihr sind keine Überreste mehr vorhanden.

Bis zum 16.Jh. erhielten die Tore Vortore und Zwingeranlagen. Zusätzlich wurde in der 2. Hälfte des 14. Jh. ein äußerer Mauerring aufgeführt, der auch die fünf Vorstädte einschloss. Vom äußeren Mauerring ist nur das äußere Frauentor bis heute erhalten. Bis in das 16. Jh. hinein wurde die Stadtbefestigung ausgebaut und verstärkt. Gemäß einem Beschluss des Rates wurden pro Jahr drei Türme neu gedeckt und fünf Äcker Graben gesäubert. 1429 bis 1431 erneuerte man unter Meister Heinrich von Göttingen wegen der Hussitengefahr einen großen Teil der Befestigung.

In ihrer Blütezeit hatte Mühlhausen in der Zeit von 1256 bis 1370 ein Gebiet von ca. 220 Quadratkilometern mit 62 Dörfern erworben. Dieses Gebiet wurde 1360 bis 1380 mit einem dritten Verteidigungsring, der Landwehr und dem Landgraben, umgeben. Die Landwehr hatte eine Länge von 24 km. Sie bestand aus einem Wall-Graben-System mit Knickbepflanzung. An Straßendurchlässen entstanden so genannte Warten. 1418 gab es 18 ständig besetzte Warten. Auch einzelne Dörfer innerhalb der Landwehr waren befestigt oder mit einer Warte ausgestattet.

1649 wurde das Frauentor durch einen Brand beschädigt und stürzte 1652 ein. 1655 wurde es neu in barocken Formen aufgebaut.
Im Siebenjährigen Krieg war Mühlhausen 1761/62 französisch besetzt. Die Franzosen ließen detachierte Bastionen an der äußeren Stadtmauer zur Verstärkung der Befestigungsanlage errichten, um Mühlhausen zur Festung auszubauen.
Im 18./19. Jh. ging die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung an Mühlhausen vorbei. Die Stadt verlor ihre Bedeutung. Die Stadtmauer war funktionslos geworden und nach und nach wurden Teile von ihr abgerissen. 1791 fielen die meisten Bauwerke der äußeren Stadtmauer dem Abriss anheim. Erst im 20. Jh. erkannte man den historischen Wert der Werke. Seit 1949 wurde sie denkmalpflegerisch behandelt.

Quellen: Peter Bühner - Neue Erkenntnisse zur Baugeschichte der inneren Mühlhäuser Stadtmauer, in Mühlhäuser Beiträge Heft 25, Hrg. Mühlhäuser Museen in Zusammenarbeit mit dem Mühlhäuser Geschichts- und Denkmalpflegeverein, Mühlhausen, 2002. Rolf Aulepp, Die Stadtmauer von Mühlhausen in ihrer historischen Aussage, in Eichsfelder Heimathefte, 1976. Emil Kettner, Die alten Befestigungen Mühlhausens, in Mühlhäuser Geschichtsblätter 13, Mühlhausen, 1913. Georg Dehio, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Thüringen, Deutscher Kunstverlag, Berlin, 1998. Hans Patze (Hrg.), Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Thüringen, Alfred Kröner Verlag Stuttgart, 1989. Gerhard Günther: Mühlhausen in Thüringen, VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin 1975.
Ernst Badstübner: Das alte Mühlhausen, Köhler & Amelang, Leipzig1989. Gerhard Günther, Winfried Korf: Mühlhausen. Thomas-Müntzer-Stadt, VEB E.A. Seemann Verlag Leipzig, 1986. Rudolf Bemmann: Die Stadt Mühlhausen in Thüringen im späten Mittelalter, Verlag von Otto Hendel, Halle 1915.


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