Wappen von Heldrungen
Festung Heldrungen / Heldrungen - Thüringen
Historie


Ende des 12. oder Anfang des 13. Jh. entstand auf dem Territorium der heutigen Festung eine romanische Burg. Sie war der Sitz der Herren von Heldrungen. Ein Herr von Heldrungen namens Rudolphus wurde für 1119 überliefert. Urkundlich erwähnt wird das Geschlecht erstmalig 1126 mit Hartmann von Heldrungen. 1387 müssen die Brüder Albrecht und Friedrich von Heldrungen in einer Urkunde der Stadt Erfurt das Öffnungsrecht für die Burg zugestehen.

Bis 1414 blieb die Familie Eigentümer der Anlage. In diesem Jahr mussten sie ihren Sitz aber an die Grafen von Honstein abtreten. Friedrich von Heldrungen hatte sich an die Spitze einer sozialen Bewegung gesetzt, die eine gleiche Verteilung aller Güter sowie die Abschaffung aller Steuern und Fronen zum Ziel hatte. Getragen wurde die Bewegung durch die Bauern und den niederen Adel im Harz. Markgraf Friedrich der Streitbare und Wilhelm von Meißen führten 1412 einen "Fleglerkrieg" genannten Feldzug gegen die Aufständischen. Der Meißnische Feldhauptmann eroberte die Burg Heldrungen und ließ die Flegler zu Tode geißeln. Friedrich von Heldrungen verlor sein Lehen an die Honsteiner. Die Grafen von Honstein wiederum verkauften Herrschaft und Burg 1479 an die Grafen von Mansfeld.

Von der romanischen Burganlage haben sich der Müntzerturm, Teile der angebauten Ringmauer und im Nordosten des Schlosses ein turmähnlicher Bau, möglicherweise das Torhaus, erhalten. Die Baulichkeiten sind weitgehend im 16. Jh. in den Schlossbau integriert worden. Der Bergfried befand sich an der Stelle des heutigen Mitteltraktes des Schlosses. Er wurde vor Erbauung desselben abgetragen. Ob es vor der romanischen Burg einen hölzernen Vorgängerbau gab, ist bisher noch nicht nachgewiesen, aber denkbar.

Die Grafen von Mansfeld hatten durch den Kupferbergbau im Mansfeldischen großen Reichtum erworben. Die konnten deshalb durch Kauf von Herrschaften ihr Gebiet weit ausdehnen. Sie entfalteten daneben eine rege Bautätigkeit, bei der sie mit den Fürstenhäusern, vor allem dem von Sachsen, wetteifern wollten. Sachsen war zu dieser Zeit führend in Deutschland beim Schlossbau im Übergang von der gotischen Burg zum Renaissanceschloss. Den Vorbilder der Albrechtsburg Meißen und dem Schloss Hartenfels in Torgau galt es nachzueifern. Besondere Vorbildwirkung hatte die herausragende Bautätigkeit der Halleschen Schule. Kennzeichen des neuen Stils war neben den Details des Bauschmuckes eine neue Bauform, die des "bastionierten Schlosses". Hier wurde statt des kombinierten Wohn- und Wehrbaus in einem Baukörper ein repräsentativer Schlossbau im Inneren des Komplexes errichtet, der von einem separaten Verteidigungsbau umgeben war.

Unter Verwendung einiger Teile der romanischen Kernburg entstand unter Ernst II. von Mansfeld von 1512 bis 1519 ein vierflügliger Schlossbau mit Treppentürmen an zwei inneren Ecken. Diese Baukonzeption ist vergleichbar mit dem Schloss Hinterort im nahen Mansfeld. Auf dem Gelände der Vorburg entstanden auf drei Seiten Wirtschaftsgebäude, die hufeisenförmig einen Hof umschlossen.

1518/19 errichtete man dann die Festungsanlagen. Sie bestanden aus einem inneren Wall mit fünf Rondellen, dem inneren Festungsgraben, einem äußeren Erdwall mit sieben Erdbastionen sowie einem äußeren Graben.

Im Bauernkrieg war die Festung der Zufluchtsort vieler Adelsfamilien der Umgebung und militärischer Stützpunkt des Adels. Nach seiner Gefangennahme kerkerte man Thomas Müntzer hier ein und folterte ihn im Beisein seiner erbitterten Gegner.

Im Schalkaldischen Krieg eroberte 1546 die kaiserliche Partei unter Moritz von Sachsen die Festung. 1570 fiel sie bei der Sequestration der Grafschaft Mansfeld an Kursachsen. 1623 wurde sie von Kurfürst Johann Georg I. mit einer starken Besatzung versehen und mit Kriegsmaterial ausgestattet. Während des Dreißigjährigen Krieges war sie mehrfach hart umkämpft. 1645 eroberten die Hessen unter Generalmajor Geiß die Befestigung, als die Gräben zugefroren waren. Nach der Eroberung wurden die äußeren Festungswälle durch die Schweden geschleift, denen man die Festung übergeben hatte.

1664 bis 1668 versah man die Festung mit einem neuen äußeren Festungsgürtel nach Vaubanscher Manier. Es entstanden vier große spitzwinklige Bastionen. Vor das Festungstor aus dem 16. Jh. setzte man ein Ravelin.

Im 18. und 19. Jh. hatte die Festung keine militärische Bedeutung mehr. Sie diente als Sitz des Amtes Heldrungen. 1815 kam sie an Preußen. 1860 wurde sie aufgegeben.

1805 trug man den Müntzerturm wegen Baufälligkeit auf die Hälfte seiner ursprünglichen Höhe ab und brachte ihn mit dem Schlosskomplex unter ein Dach.

Seit 1974 wird die Anlage als wichtiges Baudenkmal unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten wieder hergestellt.

Quellen:
Thomas Bienert
, Mittelalterliche Burgen in Thüringen, Gudensberg 2000.
Irene Roch - Schloss Heldrungen - Leipzig 1980.
Reinhard Schmitt - Eine bisher unbekannte Ansicht des Schlosses Heldrungen vom 16. Juli 1664- Quellen zur Zerstörung der Festung…, in Burgen und Schlösser in Sachsen-Anhalt, Heft 7 - Halle 1998.
Hermann Wäscher - Feudalburgen in den Bezirken Halle und Magdeburg - Berlin 1962.
Reinhart Schmitt - Die romanische Burg in Heldrungen, in: Denkmalpflege in Sachsen-Anhalt, Heft 1 - Halle 1993
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