Wappen von Germersheim

Rheinland-Pfalz - Festung Germersheim

Historie


Bereits in der zweiten Hälfte des zweiten Jahrhunderts n. Chr. befand sich an der Stelle des heutigen Germersheim oder in der unmittelbaren Umgebung eine römische Soldatenniederlassung, deren Namen uns gegen Ende des vierten Jahrhunderts als "Vicus Julius" überliefert ist. Dieser "Vicus" war eine kleine, gemauerte Festung mit zwei viereckigen Mauerhelmen.
In tiefes Dunkel ist die Geschichte des Orts vom beginnenden fünften bis Ende des elften Jahrhunderts gehüllt. Erstmals wird der Name Germersheim in der Sinsheimer Chronik aus dem Jahre 1055 erwähnt. Am 18. August 1276 hat König Rudolf von Habsburg Germersheim zur Reichsstadt erklärt "mit den nämlichen Rechten, Freiheiten und Privilegien, womit nachweislich die Stadt Speyer begabt wurde", wie es in der Urkunde heißt. Bereits im Jahre 1325 hat Kaiser Ludwig IV. der Bayer, die Stadt den Pfalzgrafen Rudolf und Ruprecht verpfändet. Sie ist dann wegen Nichteinlösung des Pfandes in den Besitz der Kurpfalz übergegangen.
Die Stadt war bis ins 17. Jahrhundert hinein gut befestigt, wie eine Ansicht in der "Großen Rheinkarte" aus dem Jahre 1590 und ein Stich von Merian von 1645 zeigen. Nachdem die Befestigungen den Dreißigjährigen Krieg einigermaßen überstanden hatten, gingen sie bei der Zerstörung der Stadt im Jahre 1674 mit zu Grunde. Neue Befestigungen wurden erst wieder während der Revolutionskriege Ende des 18. Jahrhunderts von den Franzosen angelegt. Es handelte sich hierbei um feldmäßige (provisorische) Verschanzungen. Nach der Besetzung durch die Verbündeten in den Befreiungskriegen im Jahre 1814, hat Bayern die "verschanzte Position von Germersheim" übernommen, instandgesetzt und ergänzt.

Die Festung Germersheim
Nach einem 1815 gefaßten Beschluß des Deutschen Bundes sollte Germersheim zu einer starken Festung ausgebaut werden und zusammen mit Landau das linke Rheinufer gegen Frankreich schützen. Als Mittel für den Festungsbau wurden 15 Millionen Franken zur Verfügung gestellt. Mit den Arbeiten zum Bau der Festung wurde allerdings erst 1834 begonnen, nachdem das bayrische Kriegsministerium den Ingenieur-Major Friedrich Schmauß beauftragt hatte, einen Befestigungsplan auszuarbeiten. So konnte schließlich am 30. Juni 1834 mit der Aushebung des Hauptgrabens begonnen werden. Am 18. Oktober 1834 fand die Grundsteinlegung statt. Der Bau der Festung war im Oktober des Jahres 1855 in den wesentlichen Teilen vollendet, die Fertigstellung der unterirdischen, ins Vorfeld verlaufenden gemauerten Minengänge zog sich noch zum Jahr 1861 hin. Nach dem 1. Weltkrieg mußte die Festung nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages geschleift (gesprengt) werden, so dass zu Beginn der 20er Jahre Teile der Festung abgetragen wurden und nur die beiden Stadttore und eine Reihe weiterer Bauwerke erhalten geblieben sind.

Befestigungssystern
Das Innere der Stadt wurde von der sogenannten "Hauptumfassung" (Stadtumwallung) auf einer Länge von 3200 Metern umschlossen. Diese gliedert sich in sechs Verteidigungsabschnitte (Fronten), die nach bayrischen Generälen aus der Zeit der Befreiungskriege benannt waren. Am stärksten ausgebaut waren die Fronten, die nach Westen und Südwesten ausgerichtet waren, während die im Norden und Osten der Stadt aufgrund der natürlichen Gegebenheiten (Altwasser, Morast, der vorgelagerte Rheinstrom) weniger stark ausgeführt waren. Der Hauptumwallung im "Glacis" (Vorgelände) vorgelagert waren neun Vorwerke, die sich auch auf die rechtsrheinisch gelegenen Germersheimer Gemarkungsteile erstreckten und die über den Rhein führende Schiffbrücke schützten. Die Festung Germersheim war im sogenannten "polygonalen Kaponniersystem" errichtet worden, das es aufgrund vorgelagerter Grabenwehren gestattete, nahezu jeden Punkt zwischen Hauptumwallung und Grabenwehr im Falle eines Angriffs mit Kanonen- oder Gewehrfeuer zu bestreichen.

Die Festungsanlagen waren wie folgt gegliedert:
1. Stadtbefestigung (Stadtumwallung, auch "Hauptumfassung" genannt)
2. Die 10 Forts (die 3 stärkeren nannte man "Vorfeste", die 7 kleineren "Vorwerke")

In die letzte Bauperiode, die 50er Jahre des 19. Jahrhunderts, fällt bereits die allmähliche Einführung der Geschütze mit gezogenen Rohren, anfangs noch Vorderlader, in den 60er Jahren Hinterlader, weiche sich durch größere Reichweite, Treffsicherheit und Durchschlagskraft auszeichneten. Das Ziegelmauerwerk der Festungsanlagen war zu schwach, um einen Beschuß aus diesen Geschützen auszuhalten; die Festung war also, kaum fertiggestellt, bereits unmodern. Während der folgenden Jahrzehnte wurden an der Gesamtbefestigung keine grundsätzlichen Änderungen, sondern nur kleine Verbesserungen vorgenommen. Ein zweiter Fortgürtel wurde geplant, aber nicht mehr ausgeführt.

Nach Artikel 180 des Vertrags von Versailles mußte die Festung nach dem Ersten Weltkrieg geschleift werden. Auf besonderen Wunsch der Stadt willigte die interalliierte Kontrollkommission (sie überwachte die Schleifung) in die Belassung eines vollständigen, etwa 250 Meter langen Ausschnitts der "Fronte Beckers" ein, und zwar des Teils, der das "typische Grabenwehrsystem" enthält.

Von den ehemaligen Befestigungswerken blieben erhalten:

  • Die beiden ehemaligen Stadttore "Ludwigstor" und "Weißenburger Tor" (Außenfassaden nach Entwürfen des Münchener Professors Friedrich von Gärtner)
  • Zeughaus mit vorgelagerter Grabenwehr (einschenklig) und anschließender "Carnot'scher Mauer
  • ehemaliges Festungslazarett und Proviantamt
  • Arrestgebäude
  • Gebäude der ehemaligen "Fronte Lamotte" (einschenklige Grabenwehr, Reduits, Teile der Hauptumwallung mit Stirnmauer)
  • ehemalige "Seysselkaserne" (heute Fachbereich Angewandte Sprach- und Kulturwissenschaft)
  • Festungsabschnitt "Fronte Beckers" mit Hauptumwallung, drei Walltraversen samt Poternen, vorgelagerter zweischenkliger, kasemattierter Grabenwehr, Deckwall, Hauptgraben und Reduits
  • ehemalige Defensivkaserne "Stengel"

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